endlich ein rhetorikbuch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Ich bin Moderator und Coach. Meine Kunden unterstütze ich oft auch bei der Vorbereitung von Präsentationen und Reden. Daher muss ich im Jahr ca. 10-15 Bücher in diesem Bereich lesen. Ich schreibe bewusst „muss“, weil es irgendwann zur Qual wird die immer gleichen Tipps und Tricks, die gleichen Scherzchen und Vereinfachungen zu lesen. Trotzdem lese ich diese Ratgeber, weil manchmal eben doch noch irgendwo ein neuer Aspekt oder eine neue Idee zwischen den Buchdeckeln zu finden ist. Trotzdem sind die Selbstverliebtheit mancher Autoren, ihr Marketing-Sprech und die dazugehörigen Holzhammer-Strategien oft große Herausforderungen beim Lesen.

Dieses Buch ist anders. Es ist immer am Punkt, einfach zu lesen, klar gegliedert und mit vielen authentischen Fallbeispielen aus der Coaching-Praxis der Autorin gespickt. Ich halte das Buch für die beste und seriöseste Zusammenfassung für die Vorbereitung eines Vortrags, die aktuell in deutscher Sprache erhältlich ist.

Übrigens ist Fleur Wöss auch Zen-Meisterin. Nach der Lektüre des Buches habe ich im Netz danach gegoogelt. Unter http://www.daishinzen.at gibts mehr darüber zu erfahren.

gedanken von der 4th international management consulting conference

Puhh… Heute bin ich ganz schön geschlaucht. Die Berater-Konferenz hat meinen Kopf ziemlich zum Rauchen gebracht. Einerseits: alles war auf Englisch. Andererseits: es war eine unglaublich dichte Zeit aufgrund der vielen, vielen Impulse.

Welche Gedanken bewegen mich besonders:

1. Die Consultants aus den Entwicklungsländern fanden unsere Probleme teilweise eher kurios. Arbeiten in einer krisenhaften Umgebung ist dort Normalität. Das war wohl eine wichtige Erkenntnis: Anstatt darauf zu warten, dass sich die Normalität wieder einstellt, lernen wir, dass die Krise der Normalzustand ist. Damit stellt sich auch die Normalität wieder ein.

2. ich war einer der jüngsten Teilnehmer. Wahrscheinlich von allen, die den Konferenzbeitrag gezahlt haben, der Jüngste. Das hat mir wieder einmal die Augen dafür geöffnet, welches Glück ich eigentlich hatte, daß ich mittlerweile auf diesem Level mitschnattern darf.

3. für meine Arbeit als Coach habe ich einen spannenden Impuls aus den USA mitgenommen. Bin sehr gespannt auf das Buch von Diana Kubal in dem das „inner circle“-coaching modell vorgestellt wird. Beeindruckt war ich dabei einerseits inhaltlich und andererseits von Susan Lawler, die als Coachee ihre Erfahrungen mit dem Modell präsentierte. (to Susan: Thanks for that really, really amazing insight in your coaching-experience!“)

 4. ich habe einige ganz tolle Persönlichkeiten kennenlernen dürfen. Etwa Dalitso Samson Sulamoyo. Er stammt ursprünglich aus Malawi und managt heute in Illinois ein Netzwerk von Non-Profit-Organisationen, die sich der Armutsbekämpfung in den USA verschrieben haben. Ich war wirklich sehr beeindruckt, wie diese Organisationen sich durch „peer-consulting“ gegenseitig helfen und vor allem auch Wissen innerhalb des Netzwerkes austauschen.

5. eine der Paper-Sessions beschäftigte sich mit Consulting im politiknahen Bereich.  Es ist eine Sache sich fachlich auszukennen – wie das normale Fachberater tun. Es ist eine andere Sache von Gruppen und Organisationen eine Ahnung zu haben – wie das systemische Berater tun. Aber es ist noch einmal ein ganz anderes Spiel, wenn man als systemischer Berater im politischen Feld unterwegs ist, ohne das politische Spielfeld von Innen zu kennen. Ich kam mir stellenweise vor wie eine Möwe unter Pinguinen, die eine Flugmaschine basteln wollen…

christian lebt den mobilen traum.

Ich habe eine neue Liebe.

Genauer: ja – ich liebe einen Gegenstand: mein neues silber-grünes Klapprad.
Einfach genial wie es durch die Stadt braust. Ist nämlich trotz kleiner Räder verdammt schnell.
Und das beste: innerhalb von 10 Sekunden ist es zusammengeklappt und bereit um in engen Fahrstühlen oder U-Bahnen transportiert zu werden. Noch ein paar Handgriffe mehr und es ist auch für Fernreisen verstaut.
Bei Fahrten durch Wien und Linz gibt es vor allem ein häufiges Hindernisse für mein „mobiky“: die staunenden Passanten.

Ach übrigens: auch mein „mobiky“ ist verliebt. In ein schnuckliges pinkes Klapprad aus der Schweiz. 😉

wiener und österreicher

In Wien gibt es Österreicher und Nicht-Österreicher. In allen anderen Bundesländern gibt es Österreicher, Nicht-Österreicher und Wiener.  

Die Gefühle des Wieners für Menschen aus den Bundesländern und umgekehrt ist gekennzeichnet von gegenseitigem Mitleid für diejenigen, die DORT leben müssen. Wenn ich in OÖ berichte, dass ich in Wien arbeite oder dort gar am Wochenende übernachtet habe, ernte ich mitleidige Blicke. Manch einer zeigt sich von meiner offensichtlichen, wirtschaftlichen Not, die mich an einen derart feindlichen Ort zwingt, so erschüttert, dass ihm die Tränen in die Augen steigen. Manchmal habe ich das Gefühl, das mein Gegenüber mich gleich tröstend in die Arme nehmen will.
Auch in Wien ruft es Erstaunen hervor, dass ich in Linz regelmässig unterwegs bin. Es gibt nur wenige Wiener, die tatsächlich an ein menschenwürdiges Leben jenseits des U-Bahn-Netzes glauben. 

Vielleicht liegt es auch daran, dass dem gebürtigen Wiener rings herum eine Welle des Mißtrauens entgegenschlägt. Mit Schaudern erinnere ich mich an eine Episode mit meinem Wiener Cousin in einer oberösterreichischen Diskothek. Ein Versuch der Kontaktanbahnung bei einer feschen Linzerin endete damit, dass sie in Panik „Ein Wiener! Ein Wiener!„-rufend durch das Lokal zog.

Umgekehrt: egal wie lange du in Wien lebst, du bist in den Augen der Wiener und auch der Nicht-Wiener jemand aus den Bundesländern. Dann ist man am Feinsten dran. Die Wiener nehmen dich herzlich in ihre Arme, da du aus der kleinkarierten Dorfwelt geflüchtet bist. Die Menschen aus den Bundesländern liebkosen dich, weil du dich als Märtyrer Tag für Tag in der furchtbar lauten und dreckigen Stadt aufopferst.

kaizen

Wenn in den 80ern amerikanische Manager Alpträume hatten, dann meist von den Japanern. In einer rasanten Aufholjagd eroberten die Japaner weltweit Marktanteile. Vom zerbombten Verlierer des zweiten Weltkrieges zur industriellen Weltmacht in nur wenigen Jahrzehnten. Die Europäer und Amerikaner zitterten. Eines der Geheimnisse der Japaner: KAIZEN.

Dauernde Optimierung durch viele, viele kleine Experimente. Statt wie die westlichen Staaten unglaubliche Summen in die Forschung zu stecken, um neue Ideen zu kreieren, konzentrierten sich die japaner auf winzig kleine Experimente im Produktionsprozess. Hier ein paar Zentimeter ein Werkzeug näher am Arbeiter, dort eine Kiste mit Material mehr und ein paar Sekunden Zeitersparnis durch bessere Nutzung der Förderbänder. Schritt für Schritt optimierten sie so die Produktion durch die Ideen der Arbeiter und Manager. Wenn heute Toyota die Nummer eins am Weltmarkt ist, dann ohne Zweifel durch sein Toyota Produktions System. Das ist nichts anderes als die perfekte Umsetzung des KAIZEN im Hause Toyota.  

Ich selbst bin auch ein Optimierungsfanatiker. Ich optimiere dauernd und alles mögliche. Zum Beispiel auch den Weg vom Museumsquartier zum Westbahnhof. Ich weiss heute genau bei welcher U-Bahn-Tür ich einsteigen muss, um beim Ausstieg beim Westbahnhof der erste auf der Rolltreppe zu sein. Ich habe auch herausgefunden, in welche Wagen  besonders gerne Schulklassen einsteigen, die den Weg zur Tür verstopfen. Diese Wagen meide ich trotz scheinbarer Wegverkürzung.

Auch beim Einkaufen versuche ich zu optimieren. Vor der Kasse stehen zwei Schlangen: Wo anstellen? 
Dazu habe ich in Feldforschung und Fachrecherche herausgefunden: Die meiste Zeit an der Kasse kostet nicht das Scannen der Produkte, sondern der Bezahlvorgang.  Daher: Nicht dort anstellen, wo die Leute mit wenigen Produkten in den Einkaufswägen stehen, sondern dort wo weniger Köpfe sind – und wo die Kassiererin zackig wirkt 🙂