hamsia fürzüg und nök-nö regieren die welt

Gestern am Bahnhof Feldkirch. Ich bin gerade mit dem ICE aus Wien gekommen und warte vor der Bahnhofshalle auf den EuroCity nach Zürich. Plötzlich kommt eine junge Frau auf mich zu. „Hamsiafürzüg“ spricht sie mich an. Ich kann mir unter Hamsiafürzüg nichts vorstellen. Ist das eine Grußformel? Eine Beschimpfung?

Manchmal stehe ich einfach auf der Leitung. Einmal bin ich im Zug nach Graz drei Stunden neben einem älteren Paar gesessen, das sich die ganze Strecke über die heilsame Wirkung von Nök-Nö auf ihre seelische und körperliche Befindlichkeit unterhielten. Was zum Geier war Nök-Nö? Ein Eskimo-Geist? Ein Rentierfell?Das ging mir durch den Kopf, während ich noch über „Hamsiafürzüg“ grübelte. Die Frau erlöste mich dann mit einem mitleidigen „Haben sie vielleicht ein Feuerzeug?“. Nein – das hatte ich leider nicht. Aber Nelken-Öl. Das hätte ich vielleicht dabeigehabt.

 

 

skurrile szene neulich im ice.

Manchmal möchte ich die Welt wie in einem Schwarz-Weiß-Film sehen. So wie in einem skurrilen 30er Jahre Film im Stil von Charles Chaplins „Modern Times“.

Unlängst beobachte ich im ICE:

Eine Dame mit Perlenkette sitzt im Speisewagen eines ICE. Ihr gegenüber ein Bekannter, der ebenfalls auf dem Weg nach Wien ist. Sie hat ein Mobiltelefon am Ohr und bespricht intensiv mit einem Handwerker ein Problem in Ihrer Wohnung. Eher unwillig bestellt sie nebenbei beim Zugrestaurant-Kellner.

Der geht in die Küche und gibt die Bestellung an den Koch weiter. Der Koch schnappt aus einer Lade eine durchsichtige Plastikverpackung und wirft sie ins kochende Wasser. Als nächstes schnappt er sich eine Zwiebel und schneidet diese auf einem Brettchen ganz langsam in kleine Scheiben. Das alles passiert scheinbar in Zeitlupe während am Nebentisch die Frau zuerst noch mit ihrem Maler zetert und dann die Putzfrau weiter instruiert.

Endlich ist das vakuumverpackte Gedings fertig und wird samt Zwiebelringen serviert. Die Frau beschwert sich weiter über den Maler (die Putzfrau hat sie gerade  informiert, dass er noch immer nicht da ist) am Telefon und entfernt  parallel die Zwiebelringe von ihrem Teller. Langsam. Einzeln. Zwiebelring nach Zwiebelring.

Neulich im ÖBB-Eurocity…

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Der wahre Geniesser ist nicht leicht erkennbar. Er verlangt das Außergewöhnliche und ist auch bereit selbst aktiv dazu beizutragen. Luxus bedeutet mir nicht viel. Na gut – einen Punkt gibt es: In meinen Augen sind spanischen Rotweine kein Luxus, sondern eine Lebensphilosophie.
Oder vielleicht gibt es auch einen zweiten Punkt, der mich als Luxus-affin outed: ich besitze eine ÖBB-Österrreich-Card. Die ist Luxus. 2400 € jährlich, um in der Business-Class zu fahren. Dafür brauche ich keine Fahrkarten mehr einzeln zu kaufen, sondern fahre im ganzen Streckennetz der ÖBB mit meiner Österreich-Card. Außerdem darf ich in der Business-Class sitzen. Dort gibt es einen Orangensaft oder ein Mineral gratis. Dazu eine Zeitung oder ein Wochenmagazin. Was es dort nicht gibt: hübsche Studentinnen mit einem viel zu großen Rucksack, einem Interrailticket und keiner Ahnung wer ihnen die Stadt zeigt 😉
Das ist tragisch für mein Flirt-Leben. Tragischer ist ein anderer Umstand, der mich verrückt macht. Die Türen zu diesen Abteilen sind oft lose. Sprich: je nach Fahrtrichtung öffnen sich die Türen bei jedem Beschleunigen des Zuges oder bei jedem Bremsen des Zuges. Heroisch schließt dann einer der Mitreisenden, der in der Nähe der Tür sitzt eben diese. Als erfahrener Zugreisender auf der Strecke Linz-Wien ist für mich zu dem Zeitpunkt klar, dass er wohl noch an die zwanzig bis dreissigmal die Chance auf einen heldenhaften Auftritt hat…
Meine Lösung: Pragmatisch. In meinem Aktenkoffer befindet sich neben meinem Laptop ein weiteres technisches Wunderwerk. Eine Rolle Isolierband. Damit verschliesse ich diese Türen. Damit ernte ich Anerkennung unter den Mitreisenden. Daran erkennt man also den wahren Geniesser in einem EuroCity.