Das präsidiale Humorpotential

Als Staatsoberhaupt ist man je nach politischer Tradition eine Repräsentationsfigur, eine moralische Instanz oder eine aktive Triebfeder. Manchmal ist man aber auch ein wenig der Hofnarr…

Diese Aufgabe kann man unterschiedlich angehen:

1. Die deutsche Variante:

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck pirscht sich an die WDR-Reporterin während einer Veranstaltung im Schloss Bellevue und taucht spontan im Bild auf. Quasi eine Fußgängerzonen- Verfolgungspantomime auf staatsoberhäuptisch (ab Minute 03:50):

2. The American Way:

Einmal im Jahr darf Barack Obama so richtig sein komödiantisches Talent zeigen. Beim traditionellen „Press Dinner“. Vor der versammelten Hauptstadt-Journaille darf der gleichzeitig mächtigste und ohnmächtigste Mensch der Welt selbst sich selbst und die Welt aufs Korn nehmen. Diese Auftritte als Stand-Up-Comedian bewältigt der aktuelle Präsident immer mit Bravour. 2015 hat er sich dazu die Hilfe eines Schauspielers geholt:

3. Wiener Schmäh:

Zur 250. Folge von Willkommen Österreichs lässt der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer es sich nicht nehmen den beiden Kabarettisten Dirk Stermann und Christoph Grissemann, die ihn und seine Frau Margit Fischer seit Jahren persiflieren, persönlich zu gratulieren…

yes he could III: er war einfach nur schwer genug

Das ist verrückt: Im Zweifel gewinnt der schwerere Politiker. Zumindest hat das die New York Times ausgerechnet. Seit 1896 hat 18 mal der schwerere Präsidentschaftskandidat gegen den leichteren gewonnen. Die „leichteren“ Kandidaten gewannen hingegen nur  8 mal.

Mehr im blog – Wissenswerkstatt:

http://www.wissenswerkstatt.net/2008/10/14/us-wahlkampf-die-siegchancen-politischer-schwergewichte-werkstattnotiz-122/

In Zukunft mache ich Politikercoachings nur mehr im McDonalds. Ein Bic-Mac-Menü, einmal XXL-Pommes und ein M&Ms-Eis pro Tag bringen sicher entscheidende Prozente am Wahltag 🙂

yes – he could. obama ist präsident. II

Auch der Rhetorik-Trainer in mir freut sich sehr für Obama. Seit einem drei-viertel Jahr zeige ich in meinen Trainings immer wieder Sequenzen aus besonders gelungenen Obama Reden.

Erstens fein, dass ich diese Videos jetzt weiter verwenden kann 🙂

Zweitens: Wenn ein Politiker eine Entscheidungswahl deutlich gewinnt und das seiner Rhetorik verdankt, dann inspiriert das die Menschen in die eigene Rhetorik zu investieren. Hillary Clinton attackierte Barack Obama hart in den Vorwahlen. Sie meinte er stünde für keine konkreten Plänen, seine ganze Kandidatur wäre nur aufgebaut auf Blenderei und seine Rhetorik sei „just words“.

Hier seine Antwort:

yes – he could. obama ist präsident.

Mit dem Schlachtruf „Yes we can“ ist er in die Schlacht gezogen und hat gewonnen. Barack Obama ist der neue Präsident der USA. Ich freue mich auch darüber – in meinen beiden Jobs als Politikberater und systemischer Coach bringt das spannende Impule:

Die letzten zwei Wahlgänge davor wurden vor allem von den republikanischen Politikberatern gewonnen. Die Republikaner hatten einen scheinbar uneinholbaren Vorsprung in der soziodemografischen Analyse der Wählerdaten. Straßenzug für Straßenzug konnten Sie die Wähler exakt ansprechen. Das war eine Situation wie in Österreich zu Beginn der politischen Meinungsforschung als Charly Blechas Erfindung der SORA der SPÖ eine Mehrheit nach der anderen sicherte.

Jetzt hat sich gezeigt, dass auch der Kandidat, der Sinn für einen mit Symbolen arbeitenden visionäre Ansatz und die richtige Storyline entscheiden. Gratuliere Mr. President.