christians learnings

Unlängst dachte ich im Cafe Landgraf bei einer heißen Schokolade und einem Ginger Ale darüber nach was ich gelernt habe. Also beruflich gesehen. Dann dachte ich, wie das wohl wäre, wenn ich in meinem Leben nur mehr ein Seminar geben könnte. Ein letztes berufliches Seminar. Ein großer Saal und nur 30 min Zeit. Was würde ich dann sagen? So entstand eine Liste, die ich „Christians Learnings“ nannte.

Christians Learnings:

1. Alles, alles kann innerhalb von Sekunden verloren gehen. Akzeptiere diese Möglichkeit, aber mache Sie nicht zum zentralen Ankerpunkt deines Denkens.

2. Sei neugierig.

3. Sei großzügig.

4. Liebe Menschen.

5. Konzentriere dich auf deine Stärken.

6. Erfrische dich regelmäßig.

7. Walk the extra mile.

8. Sieh die Interessen der anderen. Die Gleichung ist stärker als die Variable.

9. Analysiere Siege mindestens so intensiv wie deine Misserfolge.

10. Finde die Spiele der Menschen und hab Spaß mit Ihnen. Aber vergiss nicht: es sind Spiele.

zeitempfinden.

landgraf

An sich habe ich ein sensationelles Zeitempfinden. Ich wache meist 2 min bevor der Wecker klingelt auf. Ich schaffe es instinktiv im richtigen Moment zum Bahnhof aufzubrechen und immer genau einen Zug zu erwischen.

Nur am Samstag ticke ich nicht richtig. Der Vormittag ist noch richtig getaktet, aber der Samstagnachmittag vergeht nicht. Magischer Weise bin ich kurz nach Samstagmittag eine Stunde vorne. Der Nachmittag fließt zäh dahin, wie eine zähflüssige Zeitgelatineflüssigkeit. Doch dann setzt ganz langsam eine Beschleunigung ein. Gegen sechs bin ich noch zwanzig Minuten vor der Zeit, doch um 21:00 bereits 10 min nach. Um 23:00 vergesse ich dann meist auf die Uhr zu sehen. Wenn ich dann glaube, dass es Mitternacht ist, ist es in der Regel 01:30…

So ähnlich geht es mir auch heute. Obwohl nicht Samstag ist. Heute ist der 31.12.2008. Ich sitze – wo sonst – im Cafe Landgraf beim x-ten Ginger Ale und dem x-ten Cappuccino. Irgendwann in der Früh habe ich hier gefrühstückt und seitdem gelesen. Die meisten Stammgäste sind alle am Vormittag kurz aufgetaucht und haben Silvesterwünsche ausgetauscht. Jetzt am Nachmittag beschleunigt sich diese ganze Stadt, die in gigantomanischem Ausmaß dieses neue Jahr, das europäische Kulturhauptstadtjahr erwartet. Die Nibelungenbrücke biegt sich schon beinahe unter den Lautsprechertürmen und den sechs Baucontainern, die für das gigantische Feuerwerk dort bereitgestellt wurden.

So geht ein für mich sehr spannendes Jahr zu Ende. Viel hat sich getan zwischen Wien, Linz und der Bahnstrecke Wien-Linz. Einiges davon habe ich in diesem Blog niedergeschrieben. Mittlerweile besuchen 60 Personen täglich den blog „rois.tv“. Das verunsichert mich manchmal etwas. Aber andererseits: Verunsicherung ist ja prinzipiell nichts Schlechtes.
🙂
Dazu aber noch mehr in den nächsten Monaten!

mittelalter I: versicherungen

Manchmal, wenn ich bei einem Gläschen Wein im Cafe Landgraf vor mich hinmeditiere, habe ich ganz seltsame Gedanken. Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir moderne Einrichtungen in das Mittelalter übertragen könnten? Etwa Versicherungen.
Ich stelle mir einen Besuch eines Versicherungsvertreters bei einem Ritter recht spannend vor:
„Grüß Gott Herr Ritter! Hier ist Gottfried Svobada von der „Ersten Königlichen“! Ich komme auf Empfehlung von Baron Knurks. Wir machen gerade eine Informationskampagne zur Burgversicherung.“
-„Wie es Baron Knurks geht? Nicht so toll – Kreuzzug. Sie verstehen. Leider war die Fähre überbucht und er muss jetzt auf nächstes Jahr warten.“
-„Was ich für sie mitgebracht habe? Wir haben uns wieder einiges einfallen lassen: Eine neue Jungfrauenversicherung, eine Versicherung gegen Lanzenbruch, ein Taggeld bei Gefängnisaufenthalt (gilt leider nicht bei päpstlichem Bann), eine neue Rüstungs-Teilkasko, eine Bruch-Inklusive-Versicherung (gilt bei Schwertbruch – Wortbruch und Mauerbruch (gilt nicht bei Feinden mit Schnellfeuerkatapulten)), eine Versicherung gegen die Drachenplage und ganz neu die EiszeitPLUS – eine Versicherung gegen Klimawandel und Bauernerhebungen bei Mißernten.“
-„Warum die AGBS in Latein geschrieben sind? Nun ja – wir sind so nie mit dem Latein am Ende, wenn es mal wirklich kracht.“
 
 
 
 

 

landgraf dialoge III: meine fussballkarriere

Vor drei Jahren: An einem kalten Nachmittag saß ich bei einem Ginger Ale an meinem kleinen Tischchen im Cafe Landgraf. Im ganzen Lokal befanden sich vielleicht drei oder vier weitere Gäste.

Plötzlich betrat der Fußballtrainer meines Heimatortes mit einem grünen Aktenordner das Lokal. Ich grüßte ihn mit einem freundlichen Kopfnicken. Er grüßte zurück. Das schmeichelte mir, da ich von der Fußballwelt seit einer mageren Saison auf der Ersatzbank ignoriert wurde.
Ich kann mich noch dunkel an den kurzen Dialog zu Saisonschluss mit meinem Jugend-Trainer erinnern: „Christian, ich hoffe du verstehst: es müssen Jüngere nachrücken.“ – „Aber ich bin mit 10,5 der Jüngste im der U12!“ – „Eben.“

Doch an eben jenem Tag war alles ganz anders. Der Kampfmannschafts-Trainer begrüßte mich nicht nur freundlich, sondern steuert direkt meinen Tisch an. Er gibt mir die Hand und bevor ich meiner Verblüffung Ausdruck verleihen kann, sitzt er schon gegenüber.

„Haben Sie gleich hergefunden?“ eröffnet er.

„Kein Problem – ich bin öfters hier“ antworte ich wahrheitsgemäß.

„Furchtbares Wetter nicht wahr?“

„Ja, das Wetter war schon mal besser.“ Ich stocke ein wenig bei der Antwort, da er mich punktgenau fixiert und genau zu mustern scheint.

„Wir wollen aber heute nicht übers Wetter reden. Auf welcher Position spielen Sie gerade?“ fragt er und klappt den Ordner mit den Unterlagen für die Transfer-Verhandlung auf.

landgraf dialoge II

Als ich wenig später wieder ins Landgraf komme, komme ich neben dem Tisch eines anderen Stammgasts zu sitzen. Es ist Samstag Nachmittag. Er hat zwei Zeitungen in Bearbeitung. Ich auch.

*raschel, raschel* von mir.

*raschel, raschel* von ihm.

*kopfschüttel* von mir. Ich wechsle die Zeitung.

Er wechselt die Zeitung

*raschel, raschel* von ihm.

*raschel, raschel* von mir.

Auswandern.“ kommt es vom Nebentisch.

Am Montag.“ antworte ich.

Am Montag.“ wiederholt er. Wir blicken uns wissend an.

Mehr Kommunikation braucht es im Landgraf nicht.