gedanken von der 4th international management consulting conference

Puhh… Heute bin ich ganz schön geschlaucht. Die Berater-Konferenz hat meinen Kopf ziemlich zum Rauchen gebracht. Einerseits: alles war auf Englisch. Andererseits: es war eine unglaublich dichte Zeit aufgrund der vielen, vielen Impulse.

Welche Gedanken bewegen mich besonders:

1. Die Consultants aus den Entwicklungsländern fanden unsere Probleme teilweise eher kurios. Arbeiten in einer krisenhaften Umgebung ist dort Normalität. Das war wohl eine wichtige Erkenntnis: Anstatt darauf zu warten, dass sich die Normalität wieder einstellt, lernen wir, dass die Krise der Normalzustand ist. Damit stellt sich auch die Normalität wieder ein.

2. ich war einer der jüngsten Teilnehmer. Wahrscheinlich von allen, die den Konferenzbeitrag gezahlt haben, der Jüngste. Das hat mir wieder einmal die Augen dafür geöffnet, welches Glück ich eigentlich hatte, daß ich mittlerweile auf diesem Level mitschnattern darf.

3. für meine Arbeit als Coach habe ich einen spannenden Impuls aus den USA mitgenommen. Bin sehr gespannt auf das Buch von Diana Kubal in dem das „inner circle“-coaching modell vorgestellt wird. Beeindruckt war ich dabei einerseits inhaltlich und andererseits von Susan Lawler, die als Coachee ihre Erfahrungen mit dem Modell präsentierte. (to Susan: Thanks for that really, really amazing insight in your coaching-experience!“)

 4. ich habe einige ganz tolle Persönlichkeiten kennenlernen dürfen. Etwa Dalitso Samson Sulamoyo. Er stammt ursprünglich aus Malawi und managt heute in Illinois ein Netzwerk von Non-Profit-Organisationen, die sich der Armutsbekämpfung in den USA verschrieben haben. Ich war wirklich sehr beeindruckt, wie diese Organisationen sich durch „peer-consulting“ gegenseitig helfen und vor allem auch Wissen innerhalb des Netzwerkes austauschen.

5. eine der Paper-Sessions beschäftigte sich mit Consulting im politiknahen Bereich.  Es ist eine Sache sich fachlich auszukennen – wie das normale Fachberater tun. Es ist eine andere Sache von Gruppen und Organisationen eine Ahnung zu haben – wie das systemische Berater tun. Aber es ist noch einmal ein ganz anderes Spiel, wenn man als systemischer Berater im politischen Feld unterwegs ist, ohne das politische Spielfeld von Innen zu kennen. Ich kam mir stellenweise vor wie eine Möwe unter Pinguinen, die eine Flugmaschine basteln wollen…

der kapitalismus ist tot. es lebe der kapitalismus.

Der Kapitalismus scheint in einer tiefen Krise angekommen zu sein. Zur immer deutlicher werdenden moralischen Krise kommt nun die funktionale Krise. Die ewige Maschine, die Milch und Honig fließen ließ scheint ins Stottern geraten zu sein. Eben noch unterhielten wir uns über „Corporate Social Responsibility“. Also über die Verantwortung der Unternehmen für eine Gesellschaft, die mit immer ungläubigerem Staunen die immer imposanteren Gewinne und Vergütungen der Manager beobachtete.

Schnell waren da auch die vermeintlich richtigen Etiketten bei der Hand. Unter dem Begriff „Neo-Liberalismus“ wurde alles, was moralisch verwerflich erschien oder kaum verstehbar war, zusammengefaßt. Dabei hatten wir doch das gleiche Wirtschaftssystem wie zuvor als Demokratie, Menschenrechte und freie Marktwirtschaft noch vereint gegen den Dämonen der kommunistischen Unfreiheit und seine tölpelhafte Sklavin, die Planwirtschaft kämpften.

Eben noch drohten wir in eine Sinn-Krise zu stolpern. Doch nun: die reale Krise. Ein so genannter „schwarzer Schwan“ hat zugeschlagen. Ein sehr unwahrscheinliches Ereignis mit extremen Auswirkungen. Die herkömmlichen Risikomodelle erfassen diese Ereignisse zu wenig. Diese Risiken waren und sind nicht eingepreist, weil sie sich einfach nicht „schön“ rechnen lassen. Diese Krise des Kapitalismus ist also vor allem eine Krise der versagenden Experten und der Schönwetter-Kapitäne. Sie haben versagt, wie sie auch vor dem letzten großen Börsencrash 1987 versagt haben, wie sie meist vor den großen Krisen versagt haben.

Das Wesen des Kapitalismus ist nun einmal die scheinbar zufällige Zertrümmerung und der laufende Neubeginn. Je größer die Wirtschafts-Einheiten nun werden, je mächtiger die internationalen Konzerne sich zu scheinbar unsinkbaren Schlachtschiffen entwickelten, desto gefährlicher wurden die Eisberge, die der Unsinkbarkeit ein rasches Ende bereiten können.

Wie auch immer – als Schlußfolgerung bleibt vor allem eines: Das wilde Tier des Zufalls in mathematische Ketten einzusperren, ist keine Absicherung, sondern eine Gefahr. Den die Experten und die Manager verliessen sich blind auf diese Instrumente, da die ewig fließende Gewinne bei „kontrolliertem“ Risiko suggerierten. In einfachen Worten: Die modernen Instrumente des Risikomanagements hatten die gleiche Wirkung wie ABS, Sicherheitsgurt und ESP bei einem notorischen Schnellfahrer: er fährt noch schneller und kracht mit noch größerer Geschwindigkeit gegen den nächsten Baum.

Wenn der Kapitalismus nun aber doch nicht lebensunfähig und bankrott ist, was bringt dann die Krise? Nach der österreichischen Schule der Nationalökonomie ist eine Krise ja nun nur ein Teil der schöpferischen Zerstörung. Es gibt neue Verteilungen, neue Reiche und neue Arme. Es gibt eine rapide Beschleunigung in manchen Bereichen und unerwartete Entschleunigung in anderen. Unangenehmes wird deutlich angesprochen werden. Arbeitsplätze in der Produktion werden vernichtet. Wenn Sie eines Tages wieder neu geschaffen werden, dann vermutlich in Ländern mit billigeren Lohnkosten
Vielleicht bringt uns die Krise aber auch die Möglichkeit eine „Neu-Bewertung“ vorzunehmen. Zum Beispiel damit zu beginnen dem Geld nur mehr die Bedeutung zu geben, die ihm auch zusteht, aber nicht mehr. Dem Geld nicht mehr die Macht über unseren Wert als Mensch geben. Das ermöglicht Freiheit. Die Freiheit für jeden einzelnen mit weniger Geld auszukommen ohne an Selbstwert zu verlieren.  

Das ermöglicht Entschleunigung. Wir schießen serienweise High-Potentials in den Burn-Out. Die Gründe dafür: dauernde Erreichbarkeit, überhastete Entscheidungsfindung und ein Verzicht auf eine Unterscheidung zwischen dem Wesentlichen und dem Un-wesentlichen. Was haben wir davon, wenn wir lauter Schwerverletzte am Schlachtfeld des Wirtschaftsleben zurück lassen?
Als Lösung haben viele bislang nur ein „more of the same“ parat: Findige Fachberater helfen bei der Optimierung und Dauer-Beschleunigung. Gleichzeitig wundern sie sich über die Heere von überforderten Menschen, die Hilfe suchen. Wegen einer Schwäche, die jenseits der Behandelbarkeit durch probiotische Joghurts und Ayuerveda-Massagen, angesiedelt ist. Eine Schwäche des Körpers, der schlichtweg von der Geschwindigkeit des modernen Lebens überfordert ist und eine Schwäche des Geistes, der mit der sinnentleerten Dauerbeschleunigung nicht zurecht kommen kann. Das Resultat: Moralische Werte gehen zum Teufel. Selbst Theologie-Studenten sind vor der Beschleunigungsfalle nicht gefeit (http://www.psychologie-heute.de/editorials/heft0901.html)

Der Kapitalismus wird sich erholen. Nützen wir die Chance unsere Einstellungen zu überdenken:
Daher: Mehr Zeit zum Durchatmen.
Daher: Den Wert von Menschen nicht in Geldeinheiten bemessen.
Daher: Dem wirtschaftlichen Erfolg einen gewichtigen Platz im Leben einräumen, aber nicht den wichtigsten.

die krise und das risiko II – die experten

Letzte Woche plauderte ich mit zwei erfolgreichen, etwa 50jaehrigen Managern. Sie waren fassungslos über das Ausmaß an Überraschungen, die in den Büchern der Banken zu finden waren. Erfahrene Finanzexperten, so meinten Sie, hätten versagt. Hochbezahlte Manager waren ihre fantastischen Gehälter nicht im geringsten Wert. Wirtschaftsprüfer hakten wortlos ihre Checklisten zur Bilanzprüfung ab, aber sahen sich die Werthaltigkeit der aufgelisteten Posten nicht an.
Haben die nicht gesehen, was da in den Büchern stand? Haben sie nicht verstanden, welche Konstruktionen da gebaut worden waren?

Nun ich befürchte, dass haben die meisten tatsächlich nicht. „Financial Engineering“ sorgte für immer neue Produkte. Zusammengestellt aus Derivaten, deren einfachster Baustein die Wette auf fallende oder steigende Kurse ist. Das ist an sich nichts Böses, sondern hat durchaus auch einen realwirtschaftlichen Sinn. Jetzt das Short-Selling (sprich: das Setzen auf fallende Kurse) zu verbieten, ist eine Dummheit. Ich hoffe, die Gesetzgeber machen hier nochmals eine Kehrtwendung.

Doch warum wurden diese Produkte falsch dargestellt? Es gibt einen Konstruktionsfehler in der Bewertung dieser Produkte. Die Risikobewertungen der meisten Finanzprodukte bilden nicht die Realität ab. Sie bilden das ab, was sich leicht rechnen lässt.

Den Beweis dazu führte Benoit Mandelbrot in seinem Buch „Fraktale und Finanzen“. Ist ein Taschenbuch um 10 €. So gut wie alle Formeln zur Bewertung von Risiko gehen von einer „normalen“ Verteilung der Wahrscheinlichkeit eines Verlustes oder Gewinnes aus. Das heißt die einzelnen Kursveränderungen ergeben eine schöne Glockenkurve. In der Mitte der Kurve befinden sie die vielen, vielen ganz geringen Kursänderungen. Diese Kurve fällt nach beiden Seiten recht steil ab. An den Seiten befinden sich die wenigen großen Gewinne und Verluste.
Das lässt sich dann alles schön rechnen. Doch leider: die Normalverteilung ist Käse.
Wenn sie tatsächlich die Realität abbilden würde, dann dürfte es niemals so viele Tage mit großen Kursschwankungen geben, wie es sie nun einmal gibt. Sprich: alle Risiken wurden weltweit zu „billig“ kalkuliert.
Nur die dümmsten Kasinos bauen die Spiele so auf, dass sie selbst langfristig nur verlieren können.

die krise und das risiko I – die angst

Gerade eben haben wir noch schadenfreudig über die verantwortungslosen Amerikaner gelästert. Über deren Hang zur Blenderei, über die grenzenlose Gier des amerikanischen Kapitalismus und die Unermesslichkeit des nun folgenden Absturzes. Doch schön langsam bleibt uns das Lachen im Hals stecken. Ohne die amerikanische Lokomotive kommen nun auch wir ins Schlingern. Schnell wird der schwarze Freitag von 1929 zitiert, der sich als größte Börsenkatastrophe aller Zeiten ins Bewusstsein der Menschheit gebrannt hat. Menschen, die sich ansonsten nicht für Wirtschaft interessieren, machen sich Sorgen um ihre Spareinlagen. Sie gehen die eigenen Haushaltsausgaben auf der Suche nach Sparmöglichkeiten durch. Sie zittern um ihre Arbeitsplätze, die – wie sich nun herausstellt – doch nicht unabhängig von amerikanischen Kunden und Geldgebern sind.

In der Politik gilt schon lange die Erkenntnis: „Macht ist oft nur der Anschein von Macht“. Alles ist Vertrauenssache. Auch „Kreditwürdigkeit ist oft nur der Anschein von Kreditwürdigkeit“. Bestes Beispiel sind die Banken selbst: Glas- und Marmorpaläste signalisieren deren eigene Finanzkraft, obwohl ein herkömmliches Bürogebäude es auch tun würde. Ansonsten käme doch ein jeder auf die Idee mal schnell eine Bank aufzumachen. Genauso als würde man eine Tankstelle, einen Würstelstand oder eine Immobilienfirma mal eben gründen.

Vertrauen ist die Währung mit der wir alles im Leben erlangen können und alles verlieren, wenn es erschüttert ist.

Warren Buffet ist der aktuell reichste Mann der Welt. Er hat sein 50 Mrd.-Imperium tatsächlich von Grund auf selbst aufgebaut. Wie man sich vorstellen kann, ist er nicht gerade als Verschwender bekannt. Er speist am liebsten in Schnellrestaurants mal eben ein Sandwich und eine Cherry-Coke.
Aber, als vor einigen Jahren in seinem Imperium einige Manager Fehlleistungen erbrachten, sandte er folgende Botschaft an seine Mitarbeiter: „We can afford to lose money – even a lot of money.
We cannot afford to lose reputation – even a shred of reputation“.

Es ist also das Vertrauen, das wiederhergestellt werden muss. In die Wirtschaft, aber auch in das politische System.
Die Krise ist auch eine politische Krise. Wir benötigen nun wieder Helden. Helden wie Präsident Franklin Delano Roosevelt, der 1932 in seiner Rede zu seiner Angelobung sagte: „Wir müssen uns vor nichts fürchten, außer vor der Furcht selbst – vor namenloser, unvernünftiger Angst, die die nötigen Anstrengungen lähmt, um Rückzug in Vormarsch zu verwandeln“.