was an mir weltmeisterlich ist…

Heute startet die Fußball-Weltmeisterschaft. An sich habe ich mit Fußball nicht viel am Hut. Nur während der Europa- und Weltmeisterschaften entwickle ich ein gewisses Interesse.
Während der ersten Spiele zappe ich nur ab und zu mal vorbei, nach etwa 10 Tagen verfolge ich die Spiele mit plötzlich neu gefundenen Fußballfreunden und kommentiere so, als wäre ich ein absoluter Fußball-Fuchs mit Insider-Informationen, die jeden Teamarzt blass aussehen lassen, – und kurz vor dem Endspiel erkläre ich, dass ich mich nie wieder waschen werde, falls die falsche Mannschaft gewinnt…

Der heimliche Höhepunkt der WM ist für mich schon am 16.6., wenn die Schweiz gegen Spanien spielt. Die Spanier haben einen leichten Vorteil aufgrund der südafrikanischen Temperaturen, aber die Schweizer haben einen Vorteil: Sie haben den Neutralen am Spielfeld auf ihrer Seite…

landgraf dialoge III: meine fussballkarriere

Vor drei Jahren: An einem kalten Nachmittag saß ich bei einem Ginger Ale an meinem kleinen Tischchen im Cafe Landgraf. Im ganzen Lokal befanden sich vielleicht drei oder vier weitere Gäste.

Plötzlich betrat der Fußballtrainer meines Heimatortes mit einem grünen Aktenordner das Lokal. Ich grüßte ihn mit einem freundlichen Kopfnicken. Er grüßte zurück. Das schmeichelte mir, da ich von der Fußballwelt seit einer mageren Saison auf der Ersatzbank ignoriert wurde.
Ich kann mich noch dunkel an den kurzen Dialog zu Saisonschluss mit meinem Jugend-Trainer erinnern: „Christian, ich hoffe du verstehst: es müssen Jüngere nachrücken.“ – „Aber ich bin mit 10,5 der Jüngste im der U12!“ – „Eben.“

Doch an eben jenem Tag war alles ganz anders. Der Kampfmannschafts-Trainer begrüßte mich nicht nur freundlich, sondern steuert direkt meinen Tisch an. Er gibt mir die Hand und bevor ich meiner Verblüffung Ausdruck verleihen kann, sitzt er schon gegenüber.

„Haben Sie gleich hergefunden?“ eröffnet er.

„Kein Problem – ich bin öfters hier“ antworte ich wahrheitsgemäß.

„Furchtbares Wetter nicht wahr?“

„Ja, das Wetter war schon mal besser.“ Ich stocke ein wenig bei der Antwort, da er mich punktgenau fixiert und genau zu mustern scheint.

„Wir wollen aber heute nicht übers Wetter reden. Auf welcher Position spielen Sie gerade?“ fragt er und klappt den Ordner mit den Unterlagen für die Transfer-Verhandlung auf.

warum ich auf deutschland gewettet habe.

Österreich weint. Die deutsche Nationalmannschaft besiegt die jugendlich-engagierte österreichische Elf mit einem ehrlicherweise verdienten 1:0.  Während gestern noch ganz Wien eine Fahnenmeer in rot-weiß-rot war, ist es heute die traurigste Stadt Europas. Auch wenn Nostradamus angeblich vorausgesagt hat, dass Wien beim Weltuntergang als letzte Stadt vernichtet wird, heute sieht es aus als wäre jener nicht mehr weit und nähme seinen Ursprung genau hier.

Ich selbst bin gefaßt. Enttäuscht, aber gefasst. Ich habe emotionale Vorkehrungen getroffen. Ich habe dreissig Euro auf Deutschland gewettet. Damit bleibt mir zumindest ein schwacher finanzieller Trost in Form von neun gewonnen Euro (die Quote war 1:1,30). Damit habe ich mir die drei Getränke finanziert, die erforderlich waren, um mich emotional wieder zu reparieren. So war ich gestern als einer der wenigen wirklich für die nationale Katastrophe vorbereitet.

Ich nenne diese Technik „emotional hedging“. Das erste mal habe ich diese Technik eingesetzt als sich die Treibstoffpreise beim zweiten Irakkrieg gerade wieder ins astronomische verteuerten. Ich kaufte ein paar OMV-Aktien. Während andere mit schmerzverzerrtem Gesicht an der Tankstelle tankten, konnte ich einigermassen gelassen bleiben. Jeder Tropfen Benzin den ich mir quasi selbst verkaufte, erhöhte meine winzig-kleine, aber doch vorhandene Dividende. Dank des 10 € Tankgutscheines und des Buffets bei der Hauptversammlung konnte ich mich weiter entspannen. 

Vielleicht schreibe ich mal ein Buch darüber. Bis dorthin werde ich mir weiterhin bei jedem Regenguss wünschen, ich hätte Anteile an einer Regenschirmfabrik 😉