3 x 3 Ideen für mehr Demokratie

Roland Düringer spielt den Wutbürger und jetzt geistert die „Wutbürger-Rede“ durchs Netz. Zunächst auf Facebook oftmals mit einem mehr oder weniger emotionalen – so ist es garniert. Dann auch durch die Bloggeria der Republik (besonders gelungen die Beiträge von Gerhard Loub http://www.loub.at/blog/2011/12/09/wo-bleibt-der-wut-politiker/ und vom gesellschaftskritischen (Micro-)Blogging-Projekt Fernseher kaputt:  http://fernseherkaputt.blogspot.com/2011/12/game-over-donnerstalk.html (Danke an Christoph Chorherr für das Twittern des Links).

Düringer erntet zwar viel emotionalen Zuspruch, aber hinterlässt viele ratlos. Die Analyse wurde schon mehrfach durchgeführt, vielleicht nicht so aus der österreichischen Seele gesprochen, aber wesentlich Neues ist nicht dabei. Außer dem holzwegigsten Vorschlag überhaupt: Nicht wählen zu gehen.

Politiker

  • Sie werden Sterben. Leben Sie davor doch ein bisschen!
    Politische Karrieren brauchen meist Jahre. Ein Karriere-Ende in der Politik endet oftmals nicht mit dem Pensionsantritt. Sondern mit einer bitteren Abwahl. Machen Sie sich also geistig frei – und trauen Sie sich etwas. 
  • Ein Plan B macht geistig frei!
    Einen alternativen Karriereplan haben alle erfolgreichen Mitspieler in der Schublade. Sobald Sie alleine vom Wohlwollen der Medien und der Umfrage-Ergebnisse abhängig geworden sind, sind Sie geliefert. Machen Sie sich also frei – und an die Medienschaffenden gerichtet: Denken Sie mal darüber nach, was Sie zuletzt über einen Politiker, der das System verlassen hat, geschrieben haben.
  • Lassen Sie sich nicht zum Messias machen
    Der spezifisch österreichische Umgang mit Macht ist doppelgesichtig. Wenn man es positiv betrachtet, dann hat man in Österreich schon lange erkannt, dass Macht zunächst immer Inszenierung von Macht ist. Daher unterwirft man sich lustvoll der Persiflage und huldigt den Herrschenden, um die Gehuldigten im nächsten Moment in Nestroyscher Manier als Hochstapler auffliegen zu lassen und zu verjagen. Etwas weniger positiv gesehen, könnte man einen Teil dieses Landes in einem pubertären Stadium sehen: Gefangen zwischen Sehnsucht nach liebevoller Autorität und Ablehnung derselben. Lassen Sie sich darauf nicht ein, wenn Sie nicht verglühen wollen, wie so mancher Politik-Star der letzten Wahlperioden.

  

Wähler

  • Erwarten Sie Realistisches
    Politiker sind Menschen. Die Probleme unserer Zeit, aber sind übermenschlich. Wir sollen die Probleme unserer alternden Gesellschaft lösen, unser Klima wieder heilen, unser Finanzsystem wieder zu einem nützlichen Werkzeug für die Wirtschaft machen (und nicht umgekehrt) und die Schuldenlast unserer Staaten reduzieren. Dazu braucht es keinen Supermann, sondern eine handlungsfähige Politik, eine funktionierende Dialogkultur und gemeinsame Kraftanstrengungen.
  • Erwarten Sie von der Politik Realistisches und fordern Sie das auch ein.
    Sie haben ein Recht auf ein Stück der Verantwortung. Fordern Sie eine Reform der Politik, damit Sie handlungsfähig wird. Unterstützen Sie beispielsweise das Volksbegehren von www.meinoe.at und treten Sie allgemein für mehr direkte Demokratie ein.
    Wenn Sie etwas ändern wollen: Treten Sie einer Partei bei, arbeiten Sie mit und nützen Sie jede Chance zur Debatte. In den eigenen Gremien wird meist viel offener diskutiert, als es nach außen dringt. 
    Wenn Sie einfach nur protestieren wollen: Wählen Sie ungültig und fordern Sie eine Wahlrechtsreform in der eine eigene Spalte für Sie („ich wähle keine der angetretenen Parteien“) geschaffen wird.
  • Erwarten Sie von den Medien Realistisches und fordern Sie das auch ein.
    Sie haben ein Recht auf sachliche Berichterstattung. Fordern Sie das ein. Schalten Sie den Fernseher aus, sobald ein Reporter nur mehr über Prozentpunkte in irgendwelchen Umfragen redet. Legen Sie die Zeitung aus der Hand, wenn Sie merken, dass ein Journalist Politik macht, statt über Sie zu berichten. Schreiben Sie Leserbriefe (bitte nur einen pro Zeitung und mit richtigem Namen ;-)). Nichts wird mehr gelesen als diese Rubrik.

Medien

  • Seien Sie kreativ.
    Politische Berichterstattung ist ewig gefangen in denselben Mustern und Grundstrukturen. Aus den Nachwahlanalysen wissen wir alle, dass für die Menschen Themen und Inhalte sehr wesentlich sind. Warum beschränkt sich der politische Journalismus dann dauernd selbst in dem nur auf der taktischen Ebene darüber berichtet wird? „Wem bringt welcher Schachzug etwas?“, „Wer ist Gewinner, wer Verlierer in einer Auseinandersetzung?“ – solche Fragen füllen die Seiten, aber gehen am Bedarf vorbei.
  • Ziehen Sie Grenzen
    Errichten Sie einen Grenzbalken zwischen Journalismus und PR, schaffen Sie einen Schutzwall zwischen Ihnen und dem Gegenstand Ihrer Berichterstattung und vor allem: Sperren Sie den kleinen Teufel, der Sie zu kampagnenhaftem Journalismus treiben möchte in ein unerreichbares Gurkenglas. Wenn Sie Ungerechtigkeiten aufzeigen wollen, dann sind Sie im richtigen Job. Wenn Sie Ihre Form der Gerechtigkeit durchsetzen wollen, dann wechseln Sie in die Politik. (Ein paar gute Anregungen dazu gibt Armin Wolf: http://www.scribd.com/doc/75304694/Festrede-FH-Wien-Journalism-Us-22-6)
  • Kritisieren Sie fair – auch beim Ausstieg.
    Wenn wir mutige Politiker haben wollen, dann muss man das System auch – wenn man sich korrekt verhalten hat, unbeschadet verlassen können. Ziehen Sie in Betracht, dass ein Job in der Politik Qualifikationen schafft. Ein Verständnis für Zusammenhänge,  für den Umgang mit widersprechenden Zielen, ein breites Netzwerk an Kontakten und Managementqualifikationen. Nicht jede Berufung in einen staatsnahen Betrieb ist daher ein Versorgungsjob, nicht jeder Ausstieg in die Privatwirtschaft ist ein Zeichen von Freunderlwirtschaft. Ich wünsche mir etwa an der Spitze von staatsnahen Betrieben, wie den ÖBB sehr wohl Manager, die die österreichische Politik von innen kennen. Ohne Verständnis des politischen Systems steckt man sonst innerhalb weniger Wochen knietief in ungünstigen Diskussionen, Abhängigkeiten und in Auseinandersetzungen mit gut vernetzten Teilgruppen im eigenen Betrieb.

Das wär dann vorerst mal alles 🙂

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