weils so verrückt ist: abstimmung im russischen parlament

Russlands Abgeordnetenkammer hat ein Problem: die Abgeordneten sind sehr beschäftigt. Das Problem gibt es auch bei uns. Die meiste Arbeit findet ja in den Ausschüssen vor, nach und während der Plenarsitzungen statt. Deshalb gibt es dann immer leere Sessel im Fernsehen zu sehen, wenn aus dem Parlament berichtet wird. Dabei finden die großen Diskussionen ja gar nicht mehr in der großen Runde statt, sondern eben schon Wochen vorher im kleinen Kreis der Abgeordneten im Fach-Ausschuss. Ehrlich gesagt: Es  geht auch nicht anders. Der Abgeordneten-Wunderwuzzi, der von der Lebensmittelverordnung zur Außenpolitik, von der Finanzmarktpolitik bis zur Ausbildung von Kindergartenpädagogen sattelfest ist, der muss erst geboren werden. Daher hört man sich dann die Zusammenfassungen im Plenarsaal einer wochenalten Diskussion auch nicht mehr durchgehend an, sondern bleibt in der Nähe, diskutiert über anstehende Themen mit den Abgeordneten in den Räumlichkeiten rundherum und kommt nur mehr zu den Abstimmungen in den Saal.

Das russische Parlament (450 Abgeordnete) scheint da noch eine Stufe weiter zu gehen: Die Abgeordneten sind überhaupt gar nicht mehr zugegen. Dummerweise hat man aber ein elektronisches Abstimmungssystem, das man als Abgeordneter innert 20 Sekunden nach Eröffnung der Abstimmung bedient haben muss. Und noch dümmerweise hat der russische Präsident Medwedew die Abgeordneten schon einmal öffentlich wegen ihrer mangelnden Arbeitsleistung gerügt. Doch es gibt eine Lösung: auch wenn nur etwa 80 Abgeordnete im Saal sind, gibt es eine sportliche Runde von Jungabgeordneten, die helfen:

Übrigens soll der Vorsitzende nach dieser Abstimmung (449 abgegebene Stimmen) gesagt haben: „Einer scheint rausgegangen zu sein“.