warum coaching in der politik boomt.

Ja, es gibt sie: Politiker, die sich coachen lassen. Führungskräfte im politischen Umfeld, die einen Sparringpartner suchen. Es steht nur nicht sonderlich groß in der Zeitung.

In der Privatwirtschaft ist es ja schon lange üblich, dass Manager und Projektleiter für Fragestellungen im beruflichen Bereich professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Seit einigen Jahren zieht die Politik hier nach. Das ist gut so. Nirgendwo sonst kommen Fehlentscheidungen teurer.

Dabei ist es kaum verwunderlich, dass hier Bedarf besteht. Die Politik und ihre Umfelder verfügen in der Regel über keine Personalentwicklung und kein Beratungsangebot. Die Parteiakademien werden – wenn es um ureigenste Karriereüberlegungen geht – gerade von den engsten Funktionärskreisen immer ein wenig ängstlich beäugt. Wem kann man da trauen und wem nicht?

Auch die Kollegen kommen meist nicht als Gesprächspartner in Frage: Die engsten Mitstreiter sind oft gleichzeitig die härtesten Konkurrenten. Es ist vergleichbar mit einem Theater. Zwar sollen alle Schauspieler dazu beitragen, dass die Vorstellung gelingt. Aber gleichzeitig hätte man gar nicht so viel dagegen, wenn der Hauptdarsteller sich den Fuß bricht und man selbst den Hamlet spielen kann.  

Für unseren Hamlet-Darsteller gibt es also ein Problem: Wer kann ihn in der Entwicklung fördern und durch kritisches Feedback auch fordern?

Die Antwort darauf lautet: ein Coach, der einen professionellen Rahmen dafür bieten kann. 
 
Warum liest man dann so wenig darüber? Hmm. Ich vermute, dass es etwas mit dem „Heldenmythos“ zu tun hat mit dem sich so mancher umgibt und der oft auch vom Umfeld verlangt wird. Ich erinnere mich mit Schaudern an ein Interview mit einem Mitglied einer Landesregierung in einer Regionalzeitung. Fünf von drei Fragen drehten sich darum, ob etwas an den Gerüchten dran sei, dass er sich „coachen“ ließe. Man stelle sich dieselbe Frage bei einem Sportler oder Spitzenmanager vor. Dort würde man sich eher wundern, wenn jemand sich nicht beraten ließe.
 

PS: Ein Hintergrund der damaligen Medienvorbehalte könnte im Sinne eines Neidkomplexes auch sein, dass Personalentwicklung im Journalismus vielleicht noch stärker im Argen liegt. 😉