das beste aus 30 jahren – teil 3

NZZ_Fassade

Es gibt Fixpunkte in meinem Leben. Die internationale Ausgabe der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) am Sonntag gehört dazu.

Das erste Mal begegnete ich der NZZ 1995 bei einem Ferialjob. Ich arbeitete in der Bankfiliale in der technischen Zentrale der Oberbank.
Nach wenigen Arbeitstagen wurden die Mittagspausen ein wenig anstrengend. Sämtliche Filialmitarbeiterinnen waren interviewt und mit Fragen gelöchert, der Geschäftsbericht war studiert und alle Aufgaben schon erledigt.
Doch dann kam die NZZ – „meine Zeitung“ in meine Welt.

Der Oberbank-Vorstandschef war damals Konsul der Schweiz in Oberösterreich. In den Sommermonaten wurde hier eine Ausstellung vanstaltet mit Produkten aus der Schweiz. Also nahm ich mir eines Tages eine der Zeitungen, die unter einem blauen Bleistift mit weißer Schrift lagen. Jede Mittagspause verbrachte ich nun hinter der Zeitung.

In diesen prä-historischen Zeiten ohne Internet löste die Zeitung vor allem eines aus: Verblüffung.
Dort war von Konflikten und Ländern zu lesen, die sonst nirgendwo in Österreich berichtet wurden. Präzise wurde da die Truppenbewegungen von Rebellen in irgendeiner ostafrikanischen Diktatur nachgezeichnet oder auf die Verschlimmerung einer Hungersnot hingewiesen, die bei uns einfach nicht berichtet wurde.

Die NZZ ist eine Wirtschaftszeitung und damit eine Zeitung, die an Tatsachen sehr interessiert ist und nicht an Hysterie und Meinungsmache. Die Leser sind Schweizer Geschäftsleute – eine nüchterner geschriebene und unaufgeregtere Zeitung habe ich bislang noch nicht gefunden.

Na gut: Böse Zungen behaupten, dass ich die NZZ sonntags manchmal nur wegen des besonders kniffligen Zahlenrätsels kaufe. Stimmt – aber immerhin muss ich jedes Wochenende einen Spaziergang zu einer weit entfernten Trafik machen. Also: Verstand und Körper werden zusätzlich zum Lesegenuss trainiert.