christian analysiert die eu-wahlen

Puh … Hochrechnung 18:00:

SPÖ 23,9 % 
ÖVP 29,7 %
MARTIN 17,8 %
GRÜNE 9,4%
FPÖ 13,1%

Das dürfte dann wohl auch so bleiben. Ungewöhnlich für Österreich: Das ist der erste Mobilisierungswahlkampf den die SPÖ verliert. Bei der niedrigen Wahlbeteiligung hätte die SPÖ eigentlich einen großen Vorteil aus ihrem Mobilisierungsgrad in den Ballungszentren und Industriegebieten haben sollen. Hat sie aber nicht. Ich hatte heute in Wien zu tun und habe allerorten eine eher lähmende, bleierne Schwere wahrgenommen. Die Leute gingen lieber spazieren als ins Wahllokal. Über das Stadtfernsehen wurde schon gegen Mittag verkündet: erst ein Viertel der Wahlberechtigten war wählen. Das könnte bedeuten, daß die sprichwörtliche Mobilisierungsfähigkeit der SPÖ nun ein Relikt der Vergangenheit ist. Die Menschen in roten Kerngebieten entscheiden sich bewußt gegen die Stimmabgabe bei der SPÖ und bleiben zu Hause. Dazu kommt der taktische Fehler der letzten Wahlreform. Die SPÖ hat mit der ÖVP „Wählen ab 16“ vereinbart und im Gegenzug der Briefwahl zugestimmt. Beides schadet nun der SPÖ massiv. Die Jungen wählen lieber Mitte oder Rechts. Die Briefwähler wählen eher ÖVP.
Eine Hochachtung aber für den Spitzenkandidaten Swoboda. Wer all die subtilen Demütigungen durch die eigene Partei ertragen mußte und sich dann noch so tapfer den ORF-Mikrofonen entgegenstellt, der ist wahrlich eine moralische Größe.

Demgegenüber steht eine jubelnde ÖVP. Man ist wieder erster. Wichtig für das Selbstvertrauen und wichtig um in der Öffentlichkeit wieder auf Siegerkurs zu kommen. Gleichzeitig: -3% sind kein Ruhmesblatt, wenngleich dieser Verlust glimpflich erscheint. Das Duell zwischen Karas und Strasser hat dabei – so scheint es – eher geholfen die eigenen Kräfte zu mobilisieren. Demokratiepolitisch blamiert sind damit vor allem die Grünen, die Johannes Voggenhuber einen Vorzugsstimmenwahlkampf verwehrt hatten.
Auch die Vorzugsstimmenwahlkämpfe des ÖVP-Bauernbundes und des ÖVP-Seniorenbundes halfen sicher mit das Ergebnis auf so hohem Niveau zu halten. Auch wenn drei Prozent verloren gingen: man hat vieles richtig gemacht. Das ÖVP-Parteimanagement hat klug taktiert: Erst ganz zuletzt wurden die großen, werblichen Maßnahmen gesetzt. Gleichzeitig scheint auch das Fundraising für diese Kampagne wieder funktioniert zu haben.

Für EU-Zampano Martin ist es ein toller Erfolg. Dank des medialen Dauerdrucks der Krone ist es spielend gelungen die unglaubwürdige SPÖ zu schwächen und auch der Strache-Mölzer-FPÖ einen guten Teil des Windes aus den Segeln zu nehmen. Damit läßt sich auch der Wert der Krone gut festmachen: die Krone verschiebt bei niedriger Wahlbeteiligung fast 20% der Stimmen. Alle Achtung. Das ist die österreichische Art einer Medienreichweiten-Analyse.

Die Grünen: traurig. Für was standen die nochmal?

Die FPÖ+BZÖ: Zusammen bei gut 17%. Das ist doch deutlich weniger als zuletzt bei der Nationalratswahl-Wahl (dort bei deutlich höherer Wahlbeteiligung!). Scheint als wäre das dritte Lager doch nur bei 15%-20%. Das Protestwählerpotential hat scheinbar die Liste MARTIN komplett abräumen können. Das ist ein spannender Hinweis für die anstehenden weiteren Wahlen in Oberösterreich und in Wien… Wer kann dort den Wettlauf um die Proteststimmen gewinnen?

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