politikberatung neu denken. systemisch nämlich.

Was machst du eigentlich beruflich? Pfuh.. das ist eine schwere Frage. Vor der Frage fürchte ich mich manchmal ein wenig, wenn ich mit Controllerinnen, Personalberaterinnen oder Psychologinnen im Kerzenschein sitze. Dann ist ein tiefer Atemzug notwendig… *g*. So einfach ist es nämlich nicht. Aber ich probiere es dann immer so:
In der Betriebswirtschaft stand am Anfang des modernen Managements und damit der moderenen Management-Beratung der Taylorismus. Also das Zerlegen von Arbeiten in Arbeitsschritte und das Kalkulieren, wie und von wem man diese Arbeitsschritte am schnellsten, billigsten und verlässlichsten erledigen lassen könnte.   Als nächstes trat dann die  Human Relations-Bewegung auf den Plan. Der Faktor Mensch musste stärker berücksichtigt werden. Motivation war wichtig, Belohnung und Sinnerfüllung waren stark im Aufwind. Im großen und ganzen waren alle Managementmoden mal stärker von der einen und dann wieder von der anderen Denkrichtung inspiriert. Einen wirklich neuen Impuls brachte erst das systemische Denken. Nicht das pure Kalkül der Produktionsfaktoren oder der Mensch war der Mittelpunkt des Denkens, sondern Systeme, Systemgrenzen und die Kommunikation im System. Durch systemische Fragetechniken (zirkuläre Fragen), Großgruppeninterventionen (Open Space, RTSC, etc.) und moderne Coaching-Ansätze  konnte eine Loslösung von hemmenden Einschränkungen erreicht werden. 
Auch die Politikberatung machte eine ähnliche Entwicklung durch. Dem Taylorismus entspricht dabei die quantitative Analyse, Meinungsforscher und harte Politikberatung. In Österreich sorgte die Investitionen des Karl Blecha in die SORA für einen jahrelangen Vorsprung der SPÖ über die ÖVP dank dieser Mittel.
Aber Parteien und Netzwerke brauchen auch den Beziehungsansatz. Daher kamen in den 80er Jahren stärker die persönlichen Fähigkeiten in den Vordergrund. Dank Jörg Haiders FPÖ wurden in den Partei-Akademien biedere Argumentationstrainings von NLP und Charisma-Trainings abgelöst.  So positiv die Entdeckung des Individiuums in der Politik auf den ersten Blick erscheint, so fatal war die Anziehungskraft für Selbstdarsteller, deren persönliche Defizite im wohligen Bad öffentlicher Zustimmung geheilt werden wollten. „Die Partei“, das war eine verkrustete, verrauchte und manövrierunfähige Masse, die dem Wahlerfolg nach Meinung der Spitzengremien eigentlich im Weg stand.
Und jetzt kommen wir systemischen Politikberater ins Spiel: systemisches Denken ist in der Politik hocheffektiv, weil hochkomplexe Phänomene eine komplexe Theorie brauchen, die ihnen gerecht wird. So einfach ist es.
Nur leider ist an dieser Stelle die Kerze heruntergebrannt und zum Schlafzimmerblick meiner Controllerin, Personalberaterin oder Psychologin hat sich auch ein Schlafzimmer-Gähnen gesellt… *g* Schade eigentlich. Das nächste mal sage ich, ich sei NASA-Ingenieur.
Für alle, die mehr wissen wollen: www.rois.at  
 
 

 

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