die krise und das risiko II – die experten

Letzte Woche plauderte ich mit zwei erfolgreichen, etwa 50jaehrigen Managern. Sie waren fassungslos über das Ausmaß an Überraschungen, die in den Büchern der Banken zu finden waren. Erfahrene Finanzexperten, so meinten Sie, hätten versagt. Hochbezahlte Manager waren ihre fantastischen Gehälter nicht im geringsten Wert. Wirtschaftsprüfer hakten wortlos ihre Checklisten zur Bilanzprüfung ab, aber sahen sich die Werthaltigkeit der aufgelisteten Posten nicht an.
Haben die nicht gesehen, was da in den Büchern stand? Haben sie nicht verstanden, welche Konstruktionen da gebaut worden waren?

Nun ich befürchte, dass haben die meisten tatsächlich nicht. „Financial Engineering“ sorgte für immer neue Produkte. Zusammengestellt aus Derivaten, deren einfachster Baustein die Wette auf fallende oder steigende Kurse ist. Das ist an sich nichts Böses, sondern hat durchaus auch einen realwirtschaftlichen Sinn. Jetzt das Short-Selling (sprich: das Setzen auf fallende Kurse) zu verbieten, ist eine Dummheit. Ich hoffe, die Gesetzgeber machen hier nochmals eine Kehrtwendung.

Doch warum wurden diese Produkte falsch dargestellt? Es gibt einen Konstruktionsfehler in der Bewertung dieser Produkte. Die Risikobewertungen der meisten Finanzprodukte bilden nicht die Realität ab. Sie bilden das ab, was sich leicht rechnen lässt.

Den Beweis dazu führte Benoit Mandelbrot in seinem Buch „Fraktale und Finanzen“. Ist ein Taschenbuch um 10 €. So gut wie alle Formeln zur Bewertung von Risiko gehen von einer „normalen“ Verteilung der Wahrscheinlichkeit eines Verlustes oder Gewinnes aus. Das heißt die einzelnen Kursveränderungen ergeben eine schöne Glockenkurve. In der Mitte der Kurve befinden sie die vielen, vielen ganz geringen Kursänderungen. Diese Kurve fällt nach beiden Seiten recht steil ab. An den Seiten befinden sich die wenigen großen Gewinne und Verluste.
Das lässt sich dann alles schön rechnen. Doch leider: die Normalverteilung ist Käse.
Wenn sie tatsächlich die Realität abbilden würde, dann dürfte es niemals so viele Tage mit großen Kursschwankungen geben, wie es sie nun einmal gibt. Sprich: alle Risiken wurden weltweit zu „billig“ kalkuliert.
Nur die dümmsten Kasinos bauen die Spiele so auf, dass sie selbst langfristig nur verlieren können.

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