die krise und das risiko I – die angst

Gerade eben haben wir noch schadenfreudig über die verantwortungslosen Amerikaner gelästert. Über deren Hang zur Blenderei, über die grenzenlose Gier des amerikanischen Kapitalismus und die Unermesslichkeit des nun folgenden Absturzes. Doch schön langsam bleibt uns das Lachen im Hals stecken. Ohne die amerikanische Lokomotive kommen nun auch wir ins Schlingern. Schnell wird der schwarze Freitag von 1929 zitiert, der sich als größte Börsenkatastrophe aller Zeiten ins Bewusstsein der Menschheit gebrannt hat. Menschen, die sich ansonsten nicht für Wirtschaft interessieren, machen sich Sorgen um ihre Spareinlagen. Sie gehen die eigenen Haushaltsausgaben auf der Suche nach Sparmöglichkeiten durch. Sie zittern um ihre Arbeitsplätze, die – wie sich nun herausstellt – doch nicht unabhängig von amerikanischen Kunden und Geldgebern sind.

In der Politik gilt schon lange die Erkenntnis: „Macht ist oft nur der Anschein von Macht“. Alles ist Vertrauenssache. Auch „Kreditwürdigkeit ist oft nur der Anschein von Kreditwürdigkeit“. Bestes Beispiel sind die Banken selbst: Glas- und Marmorpaläste signalisieren deren eigene Finanzkraft, obwohl ein herkömmliches Bürogebäude es auch tun würde. Ansonsten käme doch ein jeder auf die Idee mal schnell eine Bank aufzumachen. Genauso als würde man eine Tankstelle, einen Würstelstand oder eine Immobilienfirma mal eben gründen.

Vertrauen ist die Währung mit der wir alles im Leben erlangen können und alles verlieren, wenn es erschüttert ist.

Warren Buffet ist der aktuell reichste Mann der Welt. Er hat sein 50 Mrd.-Imperium tatsächlich von Grund auf selbst aufgebaut. Wie man sich vorstellen kann, ist er nicht gerade als Verschwender bekannt. Er speist am liebsten in Schnellrestaurants mal eben ein Sandwich und eine Cherry-Coke.
Aber, als vor einigen Jahren in seinem Imperium einige Manager Fehlleistungen erbrachten, sandte er folgende Botschaft an seine Mitarbeiter: „We can afford to lose money – even a lot of money.
We cannot afford to lose reputation – even a shred of reputation“.

Es ist also das Vertrauen, das wiederhergestellt werden muss. In die Wirtschaft, aber auch in das politische System.
Die Krise ist auch eine politische Krise. Wir benötigen nun wieder Helden. Helden wie Präsident Franklin Delano Roosevelt, der 1932 in seiner Rede zu seiner Angelobung sagte: „Wir müssen uns vor nichts fürchten, außer vor der Furcht selbst – vor namenloser, unvernünftiger Angst, die die nötigen Anstrengungen lähmt, um Rückzug in Vormarsch zu verwandeln“.

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