landgraf dialoge I

„Das Kaffeehaus war schon schon immer ein besonderer Ort“ so steht es schon in der Getränkekarte des Cafe Landgraf. Das Landgraf ist jedenfalls ein besonderer Ort für mich. Genau genommen so besonder, dass mich jede Volkszählung in Erklärungsnotstand bringt. Schließlich bin ich mir gar nicht so sicher, ob der „Mittelpunkt meiner Lebensinteressen“ tatsächlich meine Wohnung ist oder doch eher diese 200 m² auf dem Urfahraner Donau-Ufer.

Besonders ist wohl auch die Kommunikation, die dort gepflegt wird. Die eisernen Stammgäste verteidigen dort wehrhaft ihr Recht auf geruhsamen Kaffee-Genuss. Das gelingt meist recht gut. Außer in der Zeit des Urfahraner Jahrmarktes. Dann ist ganz Linz auf den Beinen und mancherlei leutseliges Volk wird auch in die ruhige Lagune des Cafe Landgraf gespült:

Am Nebentisch ein etwas korpulenterer Herr in Turnschuhen, Jean und dünner Sportjacke beim zweiten Weizen. Ich lese meine Zeitung (die Neue Zücher Zeitung), trinke ein Ginger Ale und habe nebenbei meinen Laptop offen.

*räusper* „Entschuldigung,… Entschuldigung. Eine Frage was kostet der Laptop?“

Ich blicke langsam hoch. „Tut mir leid, dass weiß ich nicht. Das Gerät wird mir von der Firma zur Verfügung gestellt.“ – Schon bin ich wieder in meiner Zeitung verschwunden.

Der Herr bestellt noch ein Weizen. Der Kellner bringt es. Nebenbei dudelt Musik aus den 50ern.

„Der Dean Martin…“

Ich wende mich widerwillig dem Störenfried zu: „Wie bitte?“

„Der Dean Martin singt dieses Lied. Kennen Sie den?“

Ich flunkere: „Nein, tut mir leid. Ich bin nicht einem Dean Martin bekannt.“

„Jeder kennt Dean Martin. Das gibt es nicht.“

Ich tauche wieder in der Zeitung unter. Wieder ein Weizen.

„Es gibt jetzt schon Autos die haben 540 PS. Da muss man aufpassen, wenn man losfährt.“

„Aha.“

„… und dann gibt es ein Auto mit 1200 PS. Das heißt Hercules. Da kann man aber nur mehr geradeaus fahren, weil man nicht mehr lenken kann“

„Aha“

Ich rufe den Kellner und zahle. Er diskutiert mit dem Kellner, ob noch ein weiteres Weizen seiner Gesundheit zuträglich ist.

Diese Form der Kommunikation ist mehr als flüssig. Überflüssig. Im Landgraf pflegen wir einen effizienteren Kommunikationsstil. Mehr als fünf Worte sind in der Regel nicht erforderlich, um den Gang der Welt zu erläutern.

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