wiener und österreicher

In Wien gibt es Österreicher und Nicht-Österreicher. In allen anderen Bundesländern gibt es Österreicher, Nicht-Österreicher und Wiener.  

Die Gefühle des Wieners für Menschen aus den Bundesländern und umgekehrt ist gekennzeichnet von gegenseitigem Mitleid für diejenigen, die DORT leben müssen. Wenn ich in OÖ berichte, dass ich in Wien arbeite oder dort gar am Wochenende übernachtet habe, ernte ich mitleidige Blicke. Manch einer zeigt sich von meiner offensichtlichen, wirtschaftlichen Not, die mich an einen derart feindlichen Ort zwingt, so erschüttert, dass ihm die Tränen in die Augen steigen. Manchmal habe ich das Gefühl, das mein Gegenüber mich gleich tröstend in die Arme nehmen will.
Auch in Wien ruft es Erstaunen hervor, dass ich in Linz regelmässig unterwegs bin. Es gibt nur wenige Wiener, die tatsächlich an ein menschenwürdiges Leben jenseits des U-Bahn-Netzes glauben. 

Vielleicht liegt es auch daran, dass dem gebürtigen Wiener rings herum eine Welle des Mißtrauens entgegenschlägt. Mit Schaudern erinnere ich mich an eine Episode mit meinem Wiener Cousin in einer oberösterreichischen Diskothek. Ein Versuch der Kontaktanbahnung bei einer feschen Linzerin endete damit, dass sie in Panik „Ein Wiener! Ein Wiener!„-rufend durch das Lokal zog.

Umgekehrt: egal wie lange du in Wien lebst, du bist in den Augen der Wiener und auch der Nicht-Wiener jemand aus den Bundesländern. Dann ist man am Feinsten dran. Die Wiener nehmen dich herzlich in ihre Arme, da du aus der kleinkarierten Dorfwelt geflüchtet bist. Die Menschen aus den Bundesländern liebkosen dich, weil du dich als Märtyrer Tag für Tag in der furchtbar lauten und dreckigen Stadt aufopferst.

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