jetzt geht´s um uns österreicher

So steht es auf gar mancher Plakatwand geschrieben. Mit Ausländerfeindlichkeit läßt es sich scheinbar gut Stimmen sammeln.  Daneben die blitzblauen Augen eines ehemaligen „dummen Buben“. Hat ein wenig im Wald gespielt, früher. Also damals. Als ehemaliger. Also ehemaliger dummer Bub. Nicht als ehemaliger Neo-Nazi.  Damit hatte man nichts zu tun. Man wollte sich halt ein wenig austoben. Die Rehe und Hasen mit Schlagstöcken, Dolchen und Sturmgewehren ein bisserl aufmuntern. Die hatten damals sicher ihren Spass.

Das wäre für sich ja schon absurd genug. Doch da baumelt ja vom Handgelenk des ehemals „dummen Buben“ ein blaues Ketterl. Das hängt da nicht zufällig, sondern ist ein Signal. An alle serbisch Orthodoxen im Land. Die verwenden diese Gebetsketterl nämlich gerne. Darauf hat das Magazin „profil“ unlängst hingewiesen. Man kann also gleichzeitig gegen Ausländer im allgemeinen Stimmung machen und subtil eine große Gruppe von Migranten ansprechen.

Es ist traurig, wie in Österreich Politik gemacht werden kann. Dabei hätte sich das Land eine ehrliche Debatte über Zuwanderung und Integration mehr als verdient. Wir sind ein Einwanderungsland. Punkt. Man muss sich nur die Zahlen ansehen. Ob uns das passt oder nicht. Die Frage ist nur, ob wir uns daran machen die dadurch auftretenden Phänomene zu betrachten oder uns weiter selbst belügen. 

Wir müssen Situation für Situation einfach durchdenken. Nehmen wir nur die Altenheime. Ich habe eine gewiße Demut vor der Alters-Demenz. Im hohen Alter fällt man oft zurück in kindliche Verhaltens- und Erinnerungsmuster. Wer schon einmal in einem Altersheim unterwegs war, der erkennt: das kann sehr, sehr anstrengend sein. Wie wird das wohl erst werden, wenn viele Migranten, die in den 70er Jahren zu uns gekommen sind, sich in dieser Phase des Lebens befinden. Welche Bedürfnisse werden sie haben, um in Würde diese Phase zu durchschreiten. Wie wird das Pflegepersonal reagieren, wenn diese Menschen die Feiertage, die Speisen und die Verhaltensregeln ihrer eigenen Kindheit ins Heim mitbringen? Das ist eine von vielen Fragen, die wir lösen müssen.
Für alle die jetzt brüllen „raus mit den Ausländern“ habe ich noch einen weiteren Denkanstoß. Unsere Alten hätten dann keine Betreuung mehr, weil viele Pflegerinnen insbesondere in den Alten- und Pflegeheimen aus dem europäischen Osten stammen. Hier ist der Fachkräftemangel schon lange ein echtes Problem. Mit Konsequenzen bei uns und anderswo. Eine liebe Bekannte arbeitet in der moldawischen Wirtschaftskammer: von 4,5 Mio Einwohnern sind in den letzten 10 Jahren 600.000 Erwerbstüchtige Menschen ausgewandert. Ein Land mit derartigem Verlust an Erwerbspotential hat echte Probleme.
Zuwanderung ist also keine Frage von Schwarz oder Weiss, sondern von vorsichtigem und vorausdenkendem Handeln. Vernetztes Denken, menschliche Größe, aber auch volkswirtschaftliche Voraussicht sind hier gefragt. Dazu braucht es aber Politiker von Format, deren Weltbild nicht von Schlagstöcken und Sturmgewehren heimlich in der Dunkelheit deutschösterreichischer Wäldern geformt wurde.

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