das mühlviertel. ein merkwürdiges land.

Das ist einer der Werbeslogans des oberösterreichischen Tourismusverbandes für meine Heimat-Region. Durch eine ungünstige Lage am Rande des eisernen Vorhangs konnte sich diese Region nicht so sonderlich gut wirtschaftlich entwickeln. Hier gibt es auch kaum wertvolle Bodenschätze. Konnte sich das Salzkammergut durch das Namensgebende Salz oder das Traunviertel durch die Eisenverarbeitung einen Namen machen – hier gab es nur Wald und Hügel. Eben dieser Wald und diese Hügel benachteiligten diese Region auch gegenüber dem Innviertel oder dem Zentralraum, wo es schönere Anbauflächen für Feldfrüchte gab. So kommt es, dass diese Region seit jeher ein wenig benachteiligt ist. Das schlägt sich natürlich auch im Denken der Menschen nieder. Was dem Niederösterreicher oder Wiener sein Burgenländer-Witz ist, dass ist dem Oberösterreicher sein Witz über den Mühlviertler.

Dabei ist diese Region für mich von einem bemerkenswerten Charme. Eine Gegend, die manchmal schroffe und eigensinnige Persönlichkeiten hervorbringt. In den Wäldern des Mühlviertels, da ist Geschichte oft noch recht lebendig. Hier wurde recht spät mit der Besiedlung begonnen. Während die Bayern sich schon recht früh im Zentralraum eingenistet hatten, waren es zunächst Slawen, die das östliche Mühlviertel besiedelten. Sie rodeten die Wälder, gründeten in den Lichtungen Siedlungen, verbanden diese mit Strassen und trieben Handel. Der in der Mitte meines Heimatbezirkes in Urfahr-Umgebung gelegene Ort „Zwettl“ (slaw. „Lichtung“) erinnert beispielsweise daran. Slawen und Bayern lebten friedlich nebeneinander. Erst ab dem 11. Jahrhundert kümmerten sich das bayerische Kloster Passau und die Adelsgeschlechter der Falkensteiner und Witigonen um die Besiedlung der Gegend zwischen Donau und Oberer Mühl. http://www.euregio-bayern.de/geo/kulturgeo_a/mkgeo.htm
Das Klima im Nordwald war unwirtlich. Die Gegend gefährlich. Selbst das Stift Schlägl konnte erst im zweiten Anlauf gegründet werden, da der erste Trupp von Mönchen durch die Entbehrungen, die ihnen der Nordwald zumutete, durch Todesfälle zu stark geschwächt wurde.

Das gefällt mir an diesem Land. Hier wurden echte Pionierfamilien herbeigerufen. Wir sind tatsächlich anders als die anderen Oberösterreicher. Wir sind Pioniere, die ein unwirtliches Land urbar machten. Wenn wir schweigsamer und eigensinniger als andere erscheinen – wie sollte es ander sein, wenn man Pioniere aus Franken und Baiern mit slawischen Pionieren kreuzt. Wer braucht die Besiedlung des wilden Westens, wenn er die Besiedlung des wilden Mühlviertels haben kann?

Bei jedem Mühlviertlerwitz lache ich nur still in mich hinein, denke an die wildromantische Schönheit des Donautals, den Blick vom Sternstein weit ins Land und an die vielen geheimnisvollen Findelsteine des Mühlviertels. Meine Urahnen haben hier ihre Äxte geschwungen und sich ein neues Leben aufgebaut. Sie haben an sich und die Zukunft ihrer Familien geglaubt. Für die anderen war soviel Pioniergeist wahrscheinlich damals schon ein wenig „merkwürdig“.

2 Gedanken zu „das mühlviertel. ein merkwürdiges land.“

  1. Ich warte immer ganz gespannt auf deine Berichte. Voll interessant, aber auch deinen Witz mag ich sehr gerne. Für mich als Mühlviertlerin, schreibst du mir aus dem Herzen-echt super!
    Ich hoffe auf viele Beiträge-weiter so!

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