Neulich in der Strassenbahn…

… fällt mein Blick auf ein Plakat. Ein junger Mann ist da auf einem Foto zu sehen. Mit Kopfhörern am Ohr und einem mittelalterlichen mp3-player. Offensichtlich singt er lauthals. Zumindest legt das der künstlich vergrößerte Mund nahe. Darunter haben die Linzer Verkehrsbetriebe gepinselt: „Homa a bisserl zu laut aufdraht?“

Sehr fein. Feldzug gegen die Lautstärke. Wird in Linz auch ein Teil von Linz09. Sehr spannend. Diese Gesellschaft verabscheut das Laute. Will das Leise fördern. Die sanften Töne kultivieren. So edel diese Ziele auf das erste Hinsehen oder besser Hinhören erscheinen, in mir wächst da eine beunruhigende Idee. Diese Gesellschaft wird es bald so leise haben wie am Stadtfriedhof. Denn wer ist denn laut? Die Alten oder die Jungen? Wir haben Angst vor Tönen. Nicht nur vor den lauten. Auch vor den schrägen Tönen, dem neuen, dem unbekannten. Diese Stadt will keinen Lärm. Sagt Sie. In Wahrheit meint sie: weg mit den Kindern, weg mit den Jugendlichen, weg mit den nach-dem-Weg-Fragern, die nicht von hier sind, weg mit den Touristen, weg mit den Ungelenken, den Hässlichen und denen, die ungeniert laut Lachen.

Lärm und Chaos machen eine Stadt aus meine lieben Linzer Verkehrsbetriebe. Nur aus dem Chaos kann Neues entstehen. Kreativität und Lernen entsteht nur durch Begegnung und Begegnung entspringt in einer Wolke von Lärm und scheinbarem Chaos. Schweigen wir uns nicht zu Tode.

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