graphik015: stichwahlprognose

Nachdem die Prognostizierung der öffentlichen Meinung scheinbar immer schwieriger wird, versuche ich nun meine ganz eigene Prognose. Nachdem noch etwas Abstand zum Wahltag ist und die Reichweite dieses Blogs noch nicht ganz an die von HEUTE, ÖSTERREICH oder der KRONE heran reicht, habe ich keine Befürchtung, dass mein Ergebnis die Wahl in unfairer Weise beeinträchtigen wird.

Ich bediente mich zur Ermittlung des Ergebnisses einer Schachtel Farbstifte und einer Vielzahl arithmetischer Überlegungen.

Wahlergebnis Bundespräsidentenwahl Österreich - erster Wahlgang und Prognose des Stichwahl-Verhaltens der 45 % der Wählerinnen und Wähler, die keinen der beiden

Wahlergebnis Bundespräsidentenwahl Österreich – erster Wahlgang und Prognose des Stichwahl-Verhaltens der 45 % der Wählerinnen und Wähler, die keinen der beiden „Gewinner-Kandidaten“ im ersten Wahlgang angekreuzt hatten.
Berechnetes Wahlergebnis zweiter Wahlgang der österreichischen Bundespräsidentenwahl 2016
Berechnetes Wahlergebnis zweiter Wahlgang der österreichischen Bundespräsidentenwahl 2016

Sollte ich am Ergebnis näher liegen als alle anderen Prognosen, stehe ich gerne für die geneigten Medien als Experte zur Verfügung. Sollte ich verhindert sein, schicke ich ein Päckchen Buntstifte.

Das präsidiale Humorpotential – ein Vorausblick

Nachdem wir letzte Woche den internationalen Vergleich gezogen haben, wird es wohl langsam Zeit auch die „Heimat“ zu betrachten, die hier so eifrig umworben wird. Den Plakat nach zu urteilen, hat der eine Kandidat das Gefühl, das man für die Heimat aufstehen müsse, weil sie uns jetzt brauche. Angesichts der Überalterung unserer Gesellschaft und der wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen ein sehr löbliches Anliegen, wenn man in der Straßenbahn Richtung Zukunft aufsteht für die alte Dame Austria. Allerdings bräuchten wir eher einen TGV, statt einer Straßenbahn. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der andere Kandidat ist sich der Fragilität der „Heimat“ auch sehr bewusst. Wurde in der ersten Phase der Kampagne noch „Heimat braucht Zusammenhalt“ plakatiert, stellt sich die Kampagne der Gefahr des Zerfalls in der zweiten Phase durch den Mahnspruch „Wer unsere Heimat liebt, der spaltet sie nicht“ entgegen. Nur leider: Da ist er auch schon wieder – der Zeigefinger.
Transaktionanalytisch kämpft hier das belehrende „Eltern-Ich“ mit dem „trotzigen Kinder-Ich“. Das wird vermutlich ziemlich ins Auge gehen, da der artige, jugendlich wirkende Straßenbahnfahrer eher dem Archetyp des „braven Kinder-Ichs“ entspricht.

Das man mit dem Zeigefinger auch Humorvolles vollbringen kann, hat übrigens Herr van der Bellen selbst schon vor Jahren demonstriert:

PS: Falls sich jemand fragt, warum die beiden Kandidaten vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Polarisierung so erfolgreich sein konnten und andere Kandidaten trotz Tapferkeit und Mut es nicht weiter schafften, dann empfehle ich das Buch „Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht “ von Elisabeth Wehling. Ich durfte im Sommer einen Workshop bei ihr im Rahmen des europäischen Forums Alpbach besuchen. Seither wundert mich nichts mehr, außer weshalb die linguistischen Überlegungen von George Lakoff und Elisabeth Wehling nicht schon längst von allen umgesetzt werden…

Das präsidiale Humorpotential

Als Staatsoberhaupt ist man je nach politischer Tradition eine Repräsentationsfigur, eine moralische Instanz oder eine aktive Triebfeder. Manchmal ist man aber auch ein wenig der Hofnarr…

Diese Aufgabe kann man unterschiedlich angehen:

1. Die deutsche Variante:

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck pirscht sich an die WDR-Reporterin während einer Veranstaltung im Schloss Bellevue und taucht spontan im Bild auf. Quasi eine Fußgängerzonen- Verfolgungspantomime auf staatsoberhäuptisch (ab Minute 03:50):

2. The American Way:

Einmal im Jahr darf Barack Obama so richtig sein komödiantisches Talent zeigen. Beim traditionellen „Press Dinner“. Vor der versammelten Hauptstadt-Journaille darf der gleichzeitig mächtigste und ohnmächtigste Mensch der Welt selbst sich selbst und die Welt aufs Korn nehmen. Diese Auftritte als Stand-Up-Comedian bewältigt der aktuelle Präsident immer mit Bravour. 2015 hat er sich dazu die Hilfe eines Schauspielers geholt:

3. Wiener Schmäh:

Zur 250. Folge von Willkommen Österreichs lässt der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer es sich nicht nehmen den beiden Kabarettisten Dirk Stermann und Christoph Grissemann, die ihn und seine Frau Margit Fischer seit Jahren persiflieren, persönlich zu gratulieren…

Wenn ein Politiker eine Antwort gibt…

Manchmal stellen Reporter Fragen, deren Antwort den Befragten in eine missliche Lage bringen soll. Im Sinne von kritischem Journalismus ist das manchmal berechtigt, manchmal aber auch einfach nur für alle Beteiligten lästig. Schön, wenn das auch anderen Personen auffällt und die das dann subtil persiflieren. Wie etwa beim bereits einmal gebloggten Beitrag über die Antritts-Pressekonferenz von Bundesrat Alain Berset (SP). Dort wurde das frisch gebackene Regierungsmitglied aus der französischen Schweiz von einem Journalisten wegen seiner angeblich schlechten Englisch-Kenntnisse aufs Korn genommen. Er wurde mit einer Frage auf Englisch konfrontiert. Berset blieb freundlich, aber ließ sich nicht darauf ein: «Ich bin nicht an einem Sprachtest hier, Ich kann aber durchaus Englisch sprechen» war seine Antwort. Journalistenkollege Hubert Moser nützte darauf die Gelegenheit sich über die seltsamen Fragen der Kollegenschaft lustig zu machen und bat den Bundesrat um ein paar Worte auf Portugiesisch.

Manchmal überrascht aber auch der Angesprochene selbst. Hier etwa der kanadische Premierminister Justin Trudeau, der von einem selbstsicheren Journalisten mal nebenbei nach einer einfachen Erklärung für die Funktionsweise von Quantencomputern gefragt wird:

Unübertroffen

Spätestens seit der „Bü..Bü..Bündnerfleisch“ Ansprache von Hans-Rudolf Merz habe ich die Reden von Schweizer Politikern ganz fest ins Herz geschlossen.

Da sich die halbe Schweiz und drei-viertel Frankreich gerade an einer Ansprache von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann zum anlässlich des Tags der Kranken erfreut, bin ich gerade auf eine echte Perle gestoßen: Die Neujahrsansprache 2000 von Bundespräsident Adolf Ogi.

Ich kann mich beim Besten willen nicht zwischen den beiden entscheiden, aber ich denke, am Ende gewinnt der Tannenbaum vor der Wasserfontäne: 🙂